Archiv der Kategorie: Forschung

Neuland im Eiscanyon

Während der Neujahrs-Forschungswoche im Januar 2015 warfen einige Mitglieder aus reiner Neugier einen Blick in den Dreiteiligen Abgrund der Mammuthöhle. Dieser ist recht bequem erreichbar (genau das Richtige für kurz nach Neujahr), und im Plan von 1991 („Teilplan Feenpalast“ – W.Hartmann et. al.) fanden sich doch einige einladende Fragezeichen:

Ausschnitt Teilplan Feenpalast (W. Hartmann, 1991)

Nicht zuletzt hofften wir aufgrund des drastischen Rückgang des Eises in den letzten Jahren auf neue Öffnungen zu stoßen. Mangels Seil konnten wir aber gar nicht ganz absteigen, es reichte lediglich für die Erkenntnis, dass es da unten zackig kalt ist. So sollte es ziemlich genau fünf weitere Jahre dauern, bis wir endlich im Januar 2020 einen erneuten Vorstoß unternahmen. Wir teilten uns in zwei Teams auf: Dirk und Klaus bauten dem „großen“ Canyon NW folgend Seile ein und prüften den dort als zu schmal markierten Endpunkt, die restliche Truppe (Michael, Silke und Sofia) zwängte sich durch den wesentlich engeren Canyon im Norden.

Während also Dirk und Klaus etwas ratlos an dem Endpunkt im Nordwesten standen und überlegten, wie man den Durchstieg erweitern könne, erklangen aus dem selbigen plötzlich die Stimmen der anderen drei. 😀 Ironie des Schicksals: dort kamen die ohne Seil nicht mehr weiter, während Dirk und Klaus auf etlichen Metern Seil sitzen geblieben sind.

Tags drauf stiegen Michael, Silke und Sofia erneut in den Eiscanyon ein und vermaßen die erste Strecke. Am 26. Juli 2020 vermaßen Michael und Patrick in einer weiteren Tour den Eiscanyon und mussten schließlich aufgrund erneuten Seilmangels umkehren.

Am 23.09.2020 folgte die nächste Tour. Der direkte Einstieg in den Eiscanyon ist äußerst anspruchsvoll (man zwängt sich leicht in die Knie gebeugt einen gerade körperbreiten Canyon entlang, der 2x um 90° abknickt und lässt sich danach in ein ebenfalls körperbreites Loch nach unten rutschen – so schmal dass ein Arm nach oben gestreckt bleiben muss… nicht jedermanns Sache). Um die Befahrung auch „breiteren Bevölkerungsgruppen“ zu ermöglichen 😉 versuchten Carsten und Klaus die Verbindung über den nordwestlichen Canyon mittels Treibkeilen zu erweitern, während Michael und Daniel dem Eiscanyon weiter folgten, Seile einbauen und vermaßen.

Ob der Durchstieg via NW klappen wird ist derzeit noch unklar, der dortige Canyon mündet in einen knapp noch nicht erreichbaren Raum, von dem aus eventuell eine weitere Spalte zu bezwingen ist bevor man mit dem Bachlauf des nördlichen Canyons zusammentrifft. Die Arbeiten sollen aber fortgesetzt werden.

Michael und Daniel stießen am Ende ihrer Tour auf einen Raum, in dem an einer Wand mit einer Art Wachsfarbe die Markierung „24.12.1974“ angebracht war. Bingo.

Zurück auf der Hütte ergab ein Blick in den Plan, dass diese vermutlich auf die Hellbachklamm gestoßen sind. Weihnachten 1974 fand dort eine von mehreren Expeditionen mit dem Ziel eines „einfacheren“ Zustiegs in die Unterwelt statt (siehe Höhlenkundliche Mitteilungen 6/1975, Seite 15ff – äußerst lesenswert!), auch der „Weihnachtsdom“ verdient seinen Namen offenbar dieser Tour. Der Abschnitt zwischen dem Eiscanyon und der Hellbachklamm wurde somit „Highway to Hell(bachklamm)“ getauft.

Am 26.09.2020 starteten wir also in ein neues Projekt: der Hellbachklamm flußabwärts (von Süden nach Norden) folgen um die zuvor entdeckte Markierung zu finden und so die Verbindung mit dem Eiscanyon bzw. Dreiteiligen Abgrund zu bestätigen. Am Vorabend besorgten wir uns möglichst viele der alten Befahrungsberichte und beschlossen, über das Edelweißlabyrinth und das Labyrinth der Verzweiflung in die Schlucht des Grauens abzusteigen. Klingt doch irgendwie total einladend, oder? 😀

Carsten, Michael und Klaus stiegen gegen 11 Uhr also auf eine „kleine Erkundungstour“ ein. Die alten Meßpunkte der Expedition waren zum Glück teils überdeutlich markiert. Nachdem wir insgesamt 10 Anker eingebaut hatten und rund 100m am Seil abgestiegen waren, stießen wir auch auf den ersten Metallstift der Erstforscher in einer Wand. Respekt. So wird einem auch wieder bewusst, was für einen Luxus so eine Akkubohrmaschine doch darstellt.

Sicherungstechnik im Wandel der Zeit…

Aktuell endet unser Einbau inmitten eines beeindruckenden Canyons mit einer Höhe von geschätzt 50 Metern (davon noch 15-20m bis zum Grund), am Umkehrpunkt öffnet sich der Canyon zu einer breiten Halle mit starkem Wasserrauschen. Vom Einstieg ins Edelweißlabyrinth bis hierhin ist man jetzt nur noch knapp über eine Stunde unterwegs.

Uschi und Daniel sorgten derweil dafür, dass wir es im Winter auf der Hütte warm haben können und schlichteten eine Unmenge Holz um. Umrahmt wurde der letzte Forschungstag dieser Woche durch einen kräftigen Wintereinbruch.

Wintereinbruch

Fortsetzung folgt. 🙂

Projekt „Schneebläser“

Im Zuge der Herbst-Forschungswoche konnten wir uns endlich wieder unserem Projekt „Schneebläser“ widmen!  Am frühen Morgen des 30.09. sind Jörg und Mario mit  Bohrmaschine & Co, gespannt auf den weiteren Verlauf, eingestiegen.  Am Ende des bereits bekannten sogenannten „Dalmatiner Canyon“ (wegen der Vermikulationen) konnten wir mehrere Schachtabstiege einbauen und so weitere ca. 100 Meter Ganglänge erforschen. Nachdem die Zeit beim Höhlenforschen wie im Flug vergeht mussten wir, um einem 2h Abstieg über unwegsames Gelände zu entgehen, den Aufstieg der 350Hm zur Bergstation der Krippensteinbahn in nur 25 Minuten überwinden.

Vom Forschungsfieber gepackt sind wir am 02.10. mit neuem Material und Elan ein weiteres Mal abgestiegen. Über drei weitere Schachtabstiege mit insgesamt ca. 20m erreichten wir einen ca. 80m langen Canyon. Am Ende des Canyons gelangt man durch ein kleines Deckenfenster in ca. 30m Höhe am Rand eines Wasserfalls zurück auf das Vorfluter-Niveau. Angekommen in einer beeindruckenden Halle gelangt man deren Ende, dem Wasserlauf folgend gelangten wir in einen weiteren Canyon der nach ca. 20m an einem weiteren Schachtabstieg mündet und somit auch das aktuelle Forschungsende darstellt. Ein besonderer Reiz geht von den teils bizzaren und außergewöhnlichen Sinterbildungen in dieser Höhle aus.
Während das Einbau-Team weiter in die Tiefe vordrang, konnte das Vermessungsteam Klaus und Dirk die komplette Ebene am bisher erkundeten Schachtgrund vermessen. Zeitmangel und schlussendlich ein abgebrochener PDA-Stift verhinderten die Vermessung der neuen Abseilstellen.
Glücklicherweise fiel unser letzter Herbst Forschungstag auf den „Lichtbratlmontag „  so dass wir einen gelungenen Abschlussabend bei Moni auf der Lodge am Krippenstein genießen konnten.

Hirzkarseelein Höhle entdeckt & vermessen

Am 3.8.2017 entdeckten wir beim Hirzkarseelein eine kleine enge Spalte, die vielversprechend aussah.

Am 4.8.2017 stiegen dann Mario und Michael hinunter, bauten 20m Seil ein und befuhren alle Gänge. Leider endete die Kleinhöhle bald nach zirka 40m Ganglänge.

Sie muss noch vermessen und der Plan erstellt werden.

Michael beim Versuch einen Höhlenplan zu zeichnen

Der Eingang

Langes Forschungswochenende – Projekt „Schneebläser“

Nachdem am Samstag wegen äußerst mieser Sicht die Forschungstour ausfallen musste, konnten wir am Sonntag mit einer der ersten Gondeln zur Angeralm starten. Bei leichtem Graupel erreichten wir unser Projekt „Schneebläser“ und begannen kurz darauf am Endpunkt der zweiten Vermessungstour die weitere Vermessung am Schachteinstieg fortzusetzen. Über mehrere Umsteigen konnte der große mit Geröll gefüllte Schachtgrund in rund 60 Meter Tiefe erreicht werden. Hier wurden größere Bohnerz-Klumpen gefunden.
Eine Voraberkundung ergab, dass es in einem Canyon (mit kleinen Tropfsteinen) weiter gehen könnte.

Bohnerz-Klumpen

Bohnerz-Klumpen

Mario kurz vor einer Umsteige im 60m-Schacht

Mario kurz vor einer Umsteige im 60m-Schacht

Tropfstein im Canyon

Tropfstein im Canyon

Forschungswoche

Rückblick zur Forschungswoche im Oktober 2015:

Eine kurze, aber intensive, Forschungswoche ist vorbei. Der Pflichtteil, die JHV konnte relativ schnell abgehandelt werden, das Vorstandsteam bleibt nach jahrelanger Bewährung unverändert, um auch in Zukunft mit modernsten Mitteln forschen zu können wird es auch 2016 Investitionen in Forschungsmittel geben. Ganz besonders erfreulich war, dass ein Großteil der Mitglieder diese Forschungswoche begleiten konnte.
Primäres Forschungsziel war die Aufarbeitung bereits bekannter Löcher im Bereich Angeralm Katastergebiet 1547 bis zum Westeingang der Mammuthöhle. Der Anmarsch erfolgte von der Bergstation der Krippensteinbahn aus, über die im Winter genutzte Angeralm-Skivariante im freien Gelände. Unser erstes Ziel der Drahtseilschacht liegt in der Region des sogenannten Sperrschinkens, direkt am Rand der Skivariante. Entdeckt wurde der ausgeprägte Schachteingang bei einer der Höhlenforscher Schulungswochen des VÖH. Zum Zeitpunkt der Entdeckung war nur ein Abstieg bis ca. 10m Tiefe möglich, der weitere Fortsatz wurde durch einen Eis-Verschluss blockiert. Die relativ milden und schneearmen Winter, und gleichzeitig warmen Sommer, stimmten uns positiv dass die Eisvorkommen mittlerweile zumindest teilweise abgetaut waren. Und so ein Zustieg in die vermutlich darunter liegenden Höhlenteile möglich wäre. Unsere Mühen wurden belohnt und bereits bei der ersten Erkundung konnte ein Abstieg zwischen Fels und Eis ausfindig gemacht werden. Der weitere Verlauf erfolgte in Gängen aus Fels und Eis, zeitweise mussten wir in senkrecht abfallenden Eisröhren abseilen. Ein wahrlich außergewöhnliches Erlebnis selbst für einen erfahrenen Höhlenforscher. So konnten wir bei mehreren Touren bis auf eine ungefähre Tiefe von -65m vordringen. Ein weiterer Fortsatz und Wetterführung lassen auf noch viele spannende Meter Neuland hoffen.
Ein weiteres Highlight wartete am Fuß des sogenannten Sperrschinkens. Bei Skitouren in vorherigen Jahren wurde ein geräumiger „Schneebläser“ mit starkem Luftzug entdeckt. Am Grund des Bläsers konnten jedoch nur kleinste Spalten aus denen starker Luftzug kam, ausfindig gemacht werden. Durch eine Markierung und GPS-Ortung, die wir im Winter angebracht bzw. vorgenommen hatten, konnte die Region im schneefreien Gebiet relativ schnell geortet werden. Ohne große Suche konnte ein Luftzug, der aus Blockmaterial kam, ausgemacht werden. Eine ca. 2h Grabung und Sicherung losen Gerölls eröffnete einen halbwegs geräumigen Höhlengang. Auch hier konnte Ganglänge von rund 30m vermessen werden.
Zu guter Letzt konnte ca. 15 Minuten vom Westausgang Richtung Angeralm entfernt beim Abstieg eine weitere Neuentdeckung gemacht werden. In einer aus mehreren Gängen bestehende Kleinhöhle wurden zirka 25 m Ganglänge vermessen, die Vermessung ist damit abgeschlossen.
Weitere Forschungstouren wurden in der Mörkhöhle unternommen, auch hier konnte an früheren Forschungserfolgen angeknüpft werden und neue Gänge vermessen und dokumentiert werden
Zwar wurde das Forschungsziel die bekannten Öffnungen im Bereich Angeralm zuerforschen nicht erreicht, diese müssen auf ihre Erforschung noch etwas warten, ein Erfolg war diese Forschungswoche aber auf alle Fälle. Wir freuen uns schon auf die nächsten Touren in diesen teilweise selbst für uns außer gewöhnlichem Umfeld.

Dirk

7. Oktober 2015

Eine kurze (aber intensive) Forschungswoche und die Jahreshauptversammlung sind vorbei. Es wurden einige Arbeitsstunden geleistet und ein Workshop zum Zeichnen von Höhlenplänen besucht. Bei der unspektakulären JHV wurden alle im Amt bestätigt. Desweiteren wurden zwei neugefundene Kleinhöhlen erforscht und vermessen. Eine Neuvermessung erbrachte zirka plus 50 Meter GGL. Berichte folgen…

Forschungswoche und Jahreshauptversammlung 2015

Unsere traditionelle Sommerforschungswoche findet vom 30.09.-07.10.2015 statt. Zudem nutzen wir die Gelegenheit, um die Jahreshauptversammlung am 03.10.2015 auf unserer Forschungshütte abzuhalten.

Bei schönem (=akzeptablem) Wetter gibt’s viele Projekte an der Oberfläche (div. offene Schachtprojekte zwischen Mittagskogel und Krippenstein, verschiedene „Fragezeichen“ in kleineren Höhlen, fehlende Vermessungen, etc.).

Bei schlechtem (also richtig schlechtem) Wetter haben wir in der Mammuthöhle genug zu tun (Ausbau von Führungsstrecken, Suche nach möglichen Fortsetzungen, Aktualisierung alter Vermessungen, u.v.m.).

Wir freuen uns bereits auf eine tolle Woche – nach aktuellem Stand sind fast alle Mitglieder dabei! 🙂

FUND-Woche 2014

Vom 03.-10. August 2014 fand wieder die alljährliche FUND-Woche statt. Sieben HöFos, teils mit Familie, verwandelten unsere Hütte auf der Schönbergalm erneut zum „Basislager“. Nach dem Auffüllen der Holzvorräte, den üblichen kleineren Wartungsreparaturen an der Hütte und dem Ausbau weiterer Versicherungen in der Mammuthöhle führten zwei Oberflächenbegehungen zwischen Däumelkogel und Speikberg zu einem Dutzend neuer Höhlen. Diese wurden allesamt per GPS eingemessen und fotografiert, um nun bei weiteren Touren vermessen zu werden.

„Karteileiche“ Doppeleingangsschacht

Es war einmal…
Obwohl verdächtige dunkele Flecken auf einem Luftbild gefunden wurden, wurde dieses Objekt erstmal nicht weiter behelligt. Später gelang es mir diesen Ausschnitt auf einem Orthofoto wieder zu finden und dem scheinbaren Schacht eine Koordinate zu zuordnen. Bei einer Oberflächenbegehung mit Uschi auf der Angeralm konnte dann dieser Schacht und ein Nebenschacht gefunden werden.
Wenige Wochen später wurde durch Zufall ein Befahrungsbericht mit Skizze im Internet gefunden, so dass davon ausgegangen werden konnte, dass diese Höhle erforscht ist. Allerdings fanden sich im Kataster keinerlei Hinweise.
Nun wurde diese jahrealte Karteileiche im Rahmen des letzten Herbstforschungswochenende besucht, vermessen und alle katasterrelevanten Daten erfasst, so dass nun einer ordnungsmässen Aufnahme nichts mehr im Wege steht.