Archiv des Autors: Klaus

Ardèche 2024

Als die Truppe, die Pfingsten 2023 an der Ardèche verbracht hat, eines Tages den letzten Karton des mitgebrachten Weins vernichtete, stellte diese zugleich fest, dass wir ja nur einen Bruchteil der möglichen Aktivitäten geschafft hatten und daher unbedingt nochmal dort hin mussten. So ergab sich völlig spontan auch für 2024 noch mal eine Fahrt nach Südfrankreich – diesmal an einen gemütlicheren Zeltplatz direkt an der Chassezac.

Alle Fraktionen kamen wie immer voll auf ihre Kosten: egal ob Familienausflüge, Paddeln, Schwimmen, Klettern, Radeln oder Joggen – es wurde nie langweilig.

Die erste Höhlentour führe eine kleine Gruppe SRT-Anfänger erneut in die Grotte du Chasserou – die ideale Gelegenheit, den Seilaufstieg und das Schlufen noch mal zu üben, und gleichzeit um sich in französische Sinter-Verhältnisse einzustimmen.

Die nächste Tour ging dann in die nahegelegene Grotte Nouvelle, die ein Teil von uns 2018 zuletzt besucht hatte. Der Einstieg ist ein dezentes Loch direkt neben dem Wanderweg; der folgende Raum öffnet sich dann gleich zu einem 35 Meter tiefem Abgrund. Den nagelneuen Edelstahl-Klebehaken in der Decke direkt über dem Abgrund lässt sich entnehmen, dass hier wohl vor allem Abenteuerführungen eine spektakuläre Abseilstrecke nutzen. Wir haben den bequemen P26 bevorzugt, zumal sich dieser leichter einbauen lässt. Für zwei Teilnehmer war das die erste „größere“ Schachtstrecke, welche sie sowohl nervlich als auch konditionell hervorragend gemeistert haben. Belohnt wurde das mit tollem Sinterschmuck – unter anderem der riesigen, umgestürzten Sintersäule.

Auch wurde die letztes Jahr bereits besuchte Gotte E. erneut aufgesucht, unter dem Vorwand schnell Schutz vor einem heftigen Gewitter zu suchen. 😉 Bernd wollte eigentlich den Durchstieg (>30m Schluf…) zur benachbarten Höhle machen, fand aber leider keine Mitstreiter hierfür. Die Neu-Höfos waren mit dem Aufstieg und Ausstieg vorerst genug bedient. Dann eben nächstes Mal. 😉

Grotte E.

Eines der absoluten Highlights sollte eine Befahrung der Aven de Noël werden. Direkt nach dem Einstieg geht’s 120 Meter hinab (P30 + P90), der zweite Abschnitt größtenteils frei hängend inmitten einer riesigen Kluft. Klaus hatte die Tour beim örtlichen Höhlenforscherverein angefragt und den Termin abgestimmt – zusammen mit Bernd und Dirk sollte es dann Sonntag früh um 08:00 los gehen. Die Ausrüstung lag bereits sortiert und gepackt im Auto, aber ein Infekt mit 39° Fieber ausgerechnet an dem Tag zwang Klaus leider (zurück) ins Bett. 😩
So starteten Bernd und Dirk zu zweit in das Abenteuer, während Klaus insgeheim hoffte, dass sich die Höhle als „furzlangweilig“ herausstellen würde. Tat sie aber nicht.

An dieser Stelle nochmal vielen Dank an den Höhlenverein ARSPAN, dass solche Touren überhaupt möglich sind, und dass dieser Verein sich so hervorragend um den Schutz und die weitere Erforschung dieser Höhle kümmert.

Am darauffolgenden Tag war durchgehend leichter Regen angekündigt. Was macht man da am besten? Ja, man besucht eine Höhle, deren Eingang lustigerweise am Beginn eines Flussbetts liegt…
Die Grotte de la Cotepatière eignet sich durch den einfachen Zustieg und die vergleichsweise bequeme Begehung perfekt für einen Familienausflug. Der Einstieg über das zu dem Zeitpunkt trockene Flussbett zeugt dennoch von bestimmt beeindruckender Wasseraktivität nach entsprechenden Regenereignissen. Auch in der Höhle folgt man durchgehend einem Kiesel-Weg, bis man nach einigen hundert Metern in die Höhlenruine der Aven de la Courcalhere gelangt. Nach 30 Metern geht’s wieder in’s Dunkel – wir sind insgesamt etwa 900 Meter tief vorgedrungen, und dann umgedreht um die Kräfte der Kinder nicht zu überfordern. Nach einem weiteren Kilometer wäre man wohl an einen See gelangt, und weitere Kilometer später an einen Zweig der Grotte de la Cocalière, die als Schauhöhle besichtigt werden kann.

Die letzte große Tour führte dann in die Grotte de la B.. Angenehm einfach zu erreichen (Parkplatz -> zehn Meter laufen -> Einstieg) geht’s nicht mehr ganz so angenehm einfach darin weiter: einige enge Schlufe sowie Abstiege und Aufstiege an teils bereits eingebauten Seilen müssen bezwungen werden, um in den Kern der Höhle zu gelangen. Je nach Zeit, Kondition und Schlamm kann man sich dann für verschiedene Ebenen entscheiden. Eine dieser Ebenen war das Ziel dieser Tour: eine recht dreckige Angelegenheit (man wird an einem Schild darum gebeten, mittels Mörtelkelle bitte den Schlamm von Kleidung und Schuhen abzukratzen, bevor man weitergeht). Der Grund dieser Bitte ist aber völlig legitim: schlichtweg unglaubliche Excentrique-Büschel, Sinterbecken, Kristallwelten, Maccharonis und vieles mehr lässt einen die Luft anhalten.
Eine durchaus anspruchsvolle Höhle, die respektvolle Besucher aber belohnt.

Und so neigte sich – wieder einmal viel zu schnell – ein toller Urlaub dem Ende entgegen. Eines ist sicher: es wird nicht der letzte Urlaub in dieser Region gewesen sein.

Silvester 2023

Der Jahreswechsel 2023/2024 bot wieder einmal die perfekte Mischung aus Höhle und Urlaub, eingebettet in tolles Hüttenleben und schöne Schneelandschaft. Vermessenes Neuland in der Mammuthöhle, Neuentdeckungen an der Oberfläche, Neuschnee an Silvester und ein runder Geburtstag – was will man mehr? Aber nun der Reihe nach…

Mammuthöhle – Alter Teil / Tonplattenlabyrinth

Eine bunte Truppe aus unseren Nachbarn der Emmahütte (u.a. Michael Nagl vom Wiener Höhlenverein) sowie Michael Streiner, Eric Weisensee und Carsten Wimmer wanderte auf Michael Nagls Idee hin mehrmals zum Tonplattenlabyrinth, um dort systematisch „Fragezeichen“ abzuarbeiten und in einer bestimmten Ecke nach einer möglichen Fortsetzung zu suchen. Dem „Rodeocanyon“ konnte nach erfolgreicher Bezwingung erstes Neuland abgerungen werden, während eine entdeckte Engstelle etwa hundert Meter weiter sehr vielversprechend aussieht und wohl weitere Touren folgen lässt.

Mammuthöhle – Schwarzer Dom

Dieser „sagenumwobene“ Teil der Mammuthöhle beschäftigt uns auch schon seit ein paar Jahren. Erst 2003 genauer vermessen, birgt der Schwarze Dom das Naturphänomen „Antigravitation“. In einer riesigen Halle schwebt regelrecht ein Block mit dem Volumen einer Doppelgarage in etwa 25 Metern Höhe. Was genau ihn da oben hält ist von unten betrachtet völlig unklar. Nicht besser wird es, wenn man am Rand dieses Doms in einer Spalte hochklettert und das von oben betrachtet: Geröll jeglicher Größe klemmt dort und wartet regelrecht darauf, dass unachtsame Forscher irgendwas davon lostreten. Hier gilt für uns alle höchste Achtsamkeit, daher sind wir hier inzwischen nur noch zu zweit unterwegs: eine Person geht voraus, die andere wartet in einer sicheren Nische bis die Bahn frei ist.

Patrick Zink und Klaus Keppler arbeiteten sich in zwei Touren entlang einer bereits erforschten und eingebauten, aber noch undokumentierten Route entlang nach oben und konnten somit rund 50 Meter Neuland vermessen.

Mammuthöhle: Saarhalle

Die letzte Tour in der Dachstein-Mammuthöhle führte Michael Streiner mit einigen externen Forschern in den Bereich der Saarhalle. Dieser Teil birgt wie der vorgelagerte „Feenpalast“ einen großen Eisteil („Indoor-Gletscher“), der in den letzten Jahren aber ebenfalls dramatisch zurückgegangen ist. Michael und seine Helfer verbesserten den Einbau einer Leiter und bereiteten Seile vor, um auch bei weiterem Rückgang des Eises ein sicheres Vorankommen zu gewährleisten.

Schneebläser auf der Schönberg-Variante

Aufgrund der guten Schneeverhältnisse konnten Mario Weisensee und Dirk Wimmer mehrere Schneebläser mit Tourenski ansteuern und erkunden. Insgesamt wurde 8 neue und teils bekannte Schneebläser erkundet. Auch Höhlenforscher wissen nicht was sie da erwartet: Niete oder überwechteter 20 Meter Schacht? Da hilft nur vorsichtiges heransondieren. Ob solche Schneebläser überhaupt „offen“ sind, ist immer sehr stark von der Höhlenbewetterung und der Schneedecke (und somit vom Wetter insgesamt) abhängig – im einen Jahr können diese komplett offen sein, im nächsten Jahr wiederum komplett unsichtbar.

Projekt „Geburtstagsbläser“

Den von Michael Streiner entdeckten „Geburtstagsbläser“ (oder auch „Latschenbläser“, der Name wird wohl noch fixiert) hatten wir schon bei der Vorerkundung kurz angeschaut.
Dieses größere Exemplar befindet sich direkt auf der Schönberg-Skivariante und besitzt einen Eingangsschacht in den Skifahrer hineinfallen können. An dem Schacht schließt eine Spalte an die nahezu senkrecht in zirka 25 Meter tiefe in eine kleine Halle übergeht. Mittels T-Anker und eingebauter Seile erforschten und vermaßen Dirk und Mario diesen, auch hier soll noch mindestens eine weitere Tour folgen.

Silvester und Geburtstag

Und als ob das alles noch nicht perfekt genug wäre, traf pünktlich zum Silvesterabend noch der Neuschnee ein, um die gesamte Landschaft sanft zu zuckern. So gingen wir nach dem fast traditionellen Raclette (in zwei Schichten – erst Kinder, dann Erwachsene) nach außen, wo wir mit „Lasershow“, Feuerkorb, Schneebar und viel Sekt gemeinsam mit unseren „Nachbarn“ ins neue Jahr rutschten.

Und schon wenige Tage später gab es den nächsten Grund zum Feiern – den 50sten Geburtstag von Mario. Und was passt wohl besser zu ihm als „Super Mario“? Alleine schon wegen des wie immer himmlischen Schweinebratens aus unserem Hüttenofen hat er sich diesen Titel verdient! Zudem schaffte es Uschi, trotz der bescheidenen Möglichkeiten einer Berghütte eine Wahnsinns-Torte zu zaubern und Mario damit zu überraschen.

Dieser Jahreswechsel war also in jeglicher Hinsicht erfolgreich.

Wir wünschen euch ebenfalls viel Gesundheit, Glück und Erfolg für’s nächste Jahr!

VÖH-Jahrestagung „Speleo Austria 2023“

Vom 26.-29. Oktober 2023 fand am Fuße des größten Karstplateaus der Alpen, dem Toten Gebirge, die Jahrestagung des Verbandes Österreichischer Höhlenforschung (VÖH) statt. In Tauplitz organisierte der Verein für Höhlenkunde in Obersteier (VHO) ein tolles Programm. Die liebevolle Gestaltung des Tagungsortes (bis ins kleinste Detail) und absolut reibungslose Organisation war wirklich beeindruckend!

Am Freitag Abend reisten Dirk und Klaus an (Uschi fiel leider krankheitsbedingt kurzfristig aus) und lauschten gleich den ersten Vorträgen. Es ist schon etwas ernüchternd, wenn wir uns stundenlang durch Canyons quälen um wenige Meter Neuland zu vermessen, während im Karstgebiet nebenan (gefühlt) jede zweite Schachthöhle über 1000 Meter tief ist. 😲 Aber das motiviert zumindest…

Die inspirierenden Vorträge wurden am Abend an der „Speleobar“ durch wunderbare Gespräche mit vielen alten Bekannten abgerundet. Alles in einem eine fantastische Veranstaltung – vielen Dank nochmal an alle Organisatoren und Helfer!!!

Auf dem Heimweg sind wir noch kurz bei unsere Hütte vorbei gefahren und haben diese winterfest gemacht.

Schneebläser-Biwak

Unser derzeit anspruchsvollstes Forschungsobjekt ist der Schneebläser. In der 2015 entdeckten Höhle hatten wir bislang rund 450 Meter vermessen, bei der letzten Tour sind Dirk und Michael während eines Vorstoßes mitten in einem freien Canyon schlichtweg aufgrund der nahenden Alarmzeit umgedreht – „open end“.

Das Problem am Schneebläser ist die Zeit. Am einfachsten ist der Zustieg über die Bergstation der Krippenstein-Seilbahn (von dort etwa 1 Std. Zustieg). Auch der Rückweg ist so herum am einfachsten, die Alternative wäre ein Abstieg mit Durchquerung der Mammuthöhle (ca. 2,5 Std). In der Höhle wiederum benötigt man in einer kleinen flotten Gruppe rund 3 Stunden bis zum aktuellen Vermessungs-Ende, und zurück aufgrund der vielen Seilstrecken über 4 Stunden. Alles in einem also rund 9 Stunden.
Die Seilbahn-Betriebszeiten ermöglichen im Sommer ganz knapp eine große Tour, viel Zeit für weitere Forschung bleibt dann aber nicht. In der Höhle wiederum findet sich bislang auch kein nur annähernd bequemer Ort für ein Biwak: entweder kriecht man auf allen Vieren durch eine schmale Etage des bis zu 15 Meter hohen Canyons, oder man darf sich in bisweilen ziemlich nassen Halle abseilen.

Um nach längerer Zeit nun endlich mal wieder was „reißen“ zu können haben wir daher beschlossen, eine ausgedehnte Höhlentour durch ein abschließendes Biwak vor dem Höhleneingang zu entschärfen.

Am Sonntag, 01.10.2023 fuhren Dirk W., Patrick Z. und Klaus K. kurz nach 10:00 mit der Seilbahn bergauf und stiegen anschließend relativ gemütlich zum Schneebläser ab – jeweils mit kompletter Höhlen- und Biwakausrüstung sowie Werkzeug & Material auf dem Rücken eine ganz schöne Plackerei. Nach dem Aus- und Umpacken sowie Anschlazen ging es gegen 12:00 in den Schneebläser. Für Patrick war es die erste Tour dort hin, während Klaus bei der geschätzt zehnten Tour noch immer nicht mit dem sogenannten „Ladies-Only-Canyon“ warm wird. Die Engstelle kommt gleich ganz am Anfang (keine 20 Meter tief drin), aber wer da falsch durchrutscht, verkeilt sich in einer nach unten zulaufenden Spalte. Nicht schön.
Immerhin wird’s danach wieder größer: rund 60 Meter Abseilstrecke in drei Stufen – im Juli erst hatten Dirk und Klaus dort die Seilführung überarbeitet.

Angekommen in der „Regenhalle“ (der Name ist Programm) geht es dann direkt in einem Canyon weiter, der ab hier den gesamten Weg prägt. Über etwa 10 weitere Abseilstrecken (je 5 bis 20 Meter) gelangt man über den „20-Meter-Schacht“ (naja, etwas unkreativ) und die „Regenhalle 2“ (genauso unkreativ) ins aktuelle Neuland. Während Patrick und Klaus vermaßen, überarbeitete Dirk einen Seileinbau und suchte an einer Engstelle nach Umgehungsmöglichkeiten.
Die Freude beim Vermessen war groß, da gleich nach der diesmal relativ trockenen „Regenhalle 2“ erstmal ein fast 10 Meter langer, bequemer und schnurgerader Gang anschloss. So macht Vermessung Spaß. Da uns die Höhle aber überhaupt nichts gönnen will, endete die Vermessung in einem völlig sadistischem Canyon-Zickzack mit teils unter 2 Metern Zuglänge.

In rund drei Stunden Vermessung konnten wir der Höhle rund 60 weitere Meter abringen und haben damit die 500-Meter-Grenze deutlich geknackt. Am aktuellen Endpunkt hindert ein Versturz im Canyon das „bequeme“ (ha, ha!) Vorankommen, Dirk und Patrick haben aber bereits eine erste Umgehung erforschen können.

Gegen 20:00 gab’s dann Abendessen, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Um 02:00 krochen wir erschöpft aber glücklich ins Freie, kochten in einer sternklaren und überraschend warmen Nacht noch ein paar Süppchen, bevor wir gegen 04:00 in die Schlafsäcke krochen. Die Sonne weckte uns dann bereits gegen 07:30 – „der kürzeste, aber erholsamste Schlaf“ laut Dirk. Nach einem kurzen Frühstück und wieder schwer bepacktem Aufstieg unter gnadenloser Spätsommersonne freuten wir uns um so mehr auf das wohlverdiente Radler auf der Bergstation.

Excentrique-Exzess (Ardèche 2023)

Nach fünf Jahren ergab sich dieses Jahr wieder ein Pfingsturlaub in Südfrankreich. Auch diesmal verschlug es uns in die Nähe der Ardèche. Verteilt auf die beiden Zeltplätze „Le Ranc Davaine“ (wie 2018) und „Les Blaches“ (bei Casteljau) gab es wieder ein herrlich abwechslungsreiches Angebot aus Kletter, Schwimmen, Radfahren, Wandern, … – ja, und natürlich auch ein paar Höhlentouren.

Den Anfang machte diesmal die Grotte du Déroc. Die großräumige Durchgangshöhle in Vallon-Pont-d’Arc mit rund 400m „Spazierweg“ war für alle Familien quasi Pflichtprogramm. Diesmal sind wir auch komplett hindurchgewandert, und haben auch einige Fledermäuse beobachten können.

Anschließend teilte sich die Truppe in Höfos (inkl. „Newcomer“) und Nicht-Höfos. Letztere verbrachten den Nachmittag an und in der Ardèche, erstere in der benachbarten Grotte du Chasserou. Für zwei Teilnehmer war das gleichzeitig die erste Höhlentour mit einem SRT-Einstieg (2x ca. 6m). Diese Höhle fasziniert nach wie vor durch den prächtigen, wortwörtlich raumfüllenden Sinter, vor allem im „Salle Blanche“. Während Dirk, Klaus und die beiden Gäste die Höhle wieder verließen, wollten Bernd und Michael dem in die Tiefe führenden Schacht (mit dem „CO2“-Grafitti über dem Abseilpunkt) noch folgen, sind dort aber schlagartig aufgrund tatsächlich stark erhöhtem CO2-Gehalt umgekehrt. So schön diese Höhle auch ist – die Luftwerte sollte man immer im Auge behalten, besonders in Schächten und Senken.

Bis hierhin dachte Klaus auch, dass die Grotte du Chasserou zu einer der schönsten Höhlen in der Region zählt. Michael behauptete allerdings, dass es da noch deutlich Luft nach oben gäbe. Also – „Challenge accepted“, und so ging es bereits wenige Tage in eine an dieser Stelle bewusst nicht benannte Höhle. Bereits im Eingangsschluf kriecht man an den ersten Sinterfahnen vorbei, und noch vor dem Hauptschacht mit insgesamt ca. 45m kann man sich an Decken voller Maccharoni und Excentriques schon satt sehen. Aber dann ging’s ja erst richtig los…

Ich finde ja, dass man es dort bei der Erstellung der Höhle einfach völlig maßlos übertrieben hat. So unglaublich viel Schönheit auf so wenig Raum (auch mehrere hundert Meter) stumpft dann irgendwann ab. Transparente Sinterfahnen, rechtwinklige Excentriques, regelrecht „behaarte“ Stalagtiten – wohin das Auge nur schaut. Wahnsinn. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Schönheit noch lange erhalten bleibt. Die lokalen Höhlenvereine haben Absperrungen eingerichtet, damit sich die Laufwege in Grenzen halten und man nicht versehentlich etwas zerstört. Zudem sind aufgrund des Schachteinstieges hoffentlich nur vernünftige und rücksichtsvolle Zeitgenossen dort unterwegs.

Aber nicht genug – schon zwei Tage später ging es dann in die Grotte E. (auch ein Klassiker in der Region, mit der benachbarten Grotte B. verbunden). Diese Höhlen sind zwar sehr leicht erreichbar (fast direkt neben einem Parkplatz), wissen sich aber auch vor zu (neu)gierigen Besuchern zu schützen: entweder steigt man durch einen in Beton eingefassten Schacht hinab, oder man zwängt sich durch teils bis zu 40 Metern (!) Schlufstrecke. Wir wählten die Schachtvariante.

Auch wenn diese nicht ganz an die vorherige Höhle herankommt, bietet die Grotte E. ebenfalls unglaublich viel Schmuck. Neben Excentrique-Exzessen gibt es hier andere Schönheiten zu bewundern, wie eine zuckerweiße Decke oder großräumige „Sinterwälder“. Manche Dinge verstecken sich aber hinter einem Schluf… 😉
Die Zeit zwischen den Höhlentouren verbrachten wir an Kletterfelsen, die direkt am Wasser lagen, auf Wanderungen abseits gesperrter Wanderwege, auf Wanderungen oberhalb der Chassezac (Zufluss zur Ardèche) sowie auf und in den Flüssen (die teilweise wärmer waren als der Pool am Zeltplatz).

Es gibt ja noch soooo viel dort zu erleben – womit feststeht, dass wir in absehbarer Zeit dort wieder hin reisen müssen!

Teilnehmer: Bernd, Dirk, Klaus, Michael (jeweils mit Familien) sowie zwei „Höhlen-Gast-Familien“ – insgesamt 22 Leute.

Happy New Year!

Liebe Höhlenforscherinnen und Höhlenforscher,

wir wünschen euch einen guten Rutsch ins neue Jahr! Möge das neue Jahr für euch voller Abenteuer, Entdeckungen und Erfolge sein. Wir freuen uns darauf, von euren Erlebnissen zu hören und sind gespannt, was das neue Jahr für euch bereithält.

Liebe Grüße

Euer FUND

Ausflug in die Unterwelt

Ende März war es endlich wieder soweit: das erste Forschungswochenende des Jahres stand an! Zwar nur kurz, aber dafür um so intensiver. Nach der Entdeckung des Highway to Hell(bachklamm) ist das nächste Ziel daher, den gefundenen Raum („24.12.1974“) auch über die Hellbachklamm zu erreichen und somit einen Ringschluss zu vermessen. Dieser Bereich liegt in der sogenannten „Unterwelt“ – zum Zeitpunkt der Erforschung (Mitte der 70er Jahre) einer der tiefsten Bereiche der Mammuthöhle. Die Bezeichnung „Unterwelt“ fasst praktisch die gesamte unterste Ebene des zentralen Höhlenbereichs zusammen. Viele Wege führen dort hin: die abgelegensten über den „Mühlhoferdom“ (da hatten die Erstforscher noch Wegzeiten von über 30 Stunden!), die abenteuerlichsten über die „Schlucht des Grauens“, und der Schnellste wohl über den „H.W.F.-Canyon“ (danke an Lukas Plan für den Tipp!). Da wir Ende letzten Jahres bereits die Variante über den Dunklen Grund und die Schlucht des Grauens (der Ersterforschung folgend) eingebaut hatten, teilten wir uns in zwei Teams zu je drei Personen auf: ein Team nahm diese frisch eingebaute Route (Klaus Keppler, Bernd Mergler, Patrick Zink), das andere Team wollte die „Abkürzung“ über den HWF-Canyon suchen und einbauen (Michael Streiner, Uschi Trotter, Jörg Zimmermann).

So sind wir am Samstag (26.03.) um 10:30 gemeinsam in die Höhle gestartet, haben dann gleich nach dem Einstieg völlig unterschiedliche Wege genommen, sind aber um etwa 13:30 praktisch gleichzeitig (!) am Einstieg zur Hellbachklamm wieder aufeinander getroffen. Gemessen an den Dimensionen der Mammuthöhle und der Vielzahl der Wege war das schonmal ein absoluter Erfolg. Die Route über den Dunklen Grund (östlich der Schlucht des Grauens) führt erst eine Rampe entlang bergab, dann schräg am Seil in einen verzwickten Canyon mit drei weiteren kleinen Seilstrecken (je 3-5 Meter), bis man letztendlich über einen Zwischenboden rund 50 Meter in beeindruckende Hallen abfährt. Diese Strecke ist aber durchaus Stein- und Gatsch-Schlag-gefährdet und bietet bei größeren Gruppen nur schlechte Schutzmöglichkeiten.
Die andere Route (HWF-Canyon) ist da vergleichsweise langweilig: am Ende der „Spaltenhalle“ (bis dahin: Spazierweg) kriecht man am Seil gesichert in einen kleinen Durchschlupf, seilt rund 25m ab, dann eine kurze Rampe, nochmal knapp 15m, noch eine Rampe, nochmal 25 Meter. Insgesamt macht man dort etwa 65 Höhenmeter auf einer horizontalen Distanz von weniger als 50 Metern. Das unbestrittene Highlight ist aber die letzte Seilstrecke, welche in den etwa 50 Meter hohen „Weihnachtsdom“ mündet. Wir sind aus der Mammuthöhle ja bisweilen auch große Dimensionen gewohnt, aber das ist trotzdem beeindruckend!

Nach einer ausgiebigen Suppenpause starteten wir in den kalten und nassen Teil der Tour: auf in die Hellbachklamm. Während die Mammuthöhle bis dahin praktisch völlig trocken ist, geht’s hier einem wunderschönen, wasserführenden Canyon entlang immer leicht abwärts hinab. An der „Oskarkluft“ muss wieder einmal abgeseilt werden – und hier in der Ecke vermuten wir derzeit auch die Verbindung in Richtung Eiscanyon. Zuerst sind wir aber noch weiter bis zum „Teufelsauge“ gegangen – dort bildet der Bachlauf einen kleinen See, den einige der Gruppe akrobatisch überkletterten. Die „eigentliche“ Route der Ersterforscher führt an dieser Stelle übrigens etwa 5 Meter oberhalb des Wassers in einem höheren Canyon-Gang hinweg.

An dieser Stelle teilten wir uns dann neu auf: zwei Leute starteten schonmal in den Rückweg, die anderen erkundeten noch die Oskarkluft. Letztendlich wählten vier Teilnehmer den Rückweg über den HWF-Canyon, während zwei andere (namentlich Michi und Jörg) über die „Schlucht des Grauens“ ausgestiegen sind und dort tatsächlich gleich alle Seile (nass und teils verschmutzt) ausgebaut und rausgetragen haben – Respekt!

Am Sonntag (27.03.) stiegen Bernd, Michael, Patrick und der kurzfristig dazugestoßene Michael Nagl in den Eiscanyon ein, mit der Wunschvorstellung, letztlich über die Hellbachklamm aussteigen zu können. Allerdings wurde dieser Versuch von unnachgiebigen Eismassen jäh unterbunden.

Hier müssen wir offensichtlich zu einem wärmeren Zeitpunkt wieder kommen.

Insgesamt sind wir aber sehr zufrieden: wir kennen nun auch den Zustieg über den HWF-Canyon, haben eine konkrete Ahnung wo die Verbindung zum Eiscanyon sein könnte, die Seilstrecken über die Schlucht des Grauens sind wieder ausgebaut, und nicht zuletzt war es wieder einmal äußerst spannend die alten Befahrungsberichte zu lesen und deren Spuren zu folgen.

(Fotos: Michael Streiner, Bernd Mergler)

BOSCH Uneo – Pimp my drill

Eines unserer beliebtesten Werkzeuge ist die BOSCH Uneo – ein Schlagbohrer mit wirklich minimalem Gewicht und Packmaß. Durch die vielen Einsätze hat die Akkuleistung in letzter Zeit aber massiv nachgelassen. Zeit für einen Akkuwechsel.

Die Akkus sind bei dem alten Modell fest verbaut – gut für das Packmaß, schlecht für die Wartbarkeit. Aber die Maschine lässt sich auch ohne Spezialwerkzeuge und Anleitungen recht einfach öffnen. Wichtig ist nur, dass einem beim Schlagbohr-Antrieb nichts durcheinanderkommt.

Verbaut sind „ganz normale“ 18650 Lithium-Ionen-Zellen. Ursprünglich waren Zellen mit einer Kapazität von insgesamt 1,3Ah verbaut – Ersatz dafür gibt’s für rund 32 € zu kaufen. Aber inzwischen sind auch neue Hochleistzungszellen verfügbar (Samsung 30Q), die für nur 12 € Aufpreis sagenhafte 3,0Ah Leistung besitzen. Erfahrungsgemäß ist einem diese zusätzliche Leistung in einer Höhle wesentlich mehr wert. 😀

Eine direkt nach dem Akkutausch (und Aufladen) vorgenommene erste Probebohrung war aber sehr ernüchternd: die Maschine begann sofort zu stinken und zu rauchen, und schaltete ab. Ich rechnete mit dem Schlimmsten.

Aber: Problem war wohl „nur“, dass der Motor ziemlich verdreckt war (kein Wunder bei den Einsätzen). Also nochmal zerlegt, Motor ausgebaut (der liegt praktisch nur drin, geht also total einfach) und mit viel Liebe und noch mehr Druckluft so gut wie möglich gereinigt. Öffnen lässt sich der Motor nicht, somit sind die Kohlen übrigens auch nicht tauschbar (zumindest nicht dass ich wüsste).

Anschließend: neue Probebohrung, in einen 6cm Betonrandstein der gerade herumlag. Nach 45 Löchern habe ich abgebrochen – die Akkuleistung hat bis dahin zwar schon spürbar nachgelassen, aber die Maschine hätte weiterbohren können. Die Reparatur hat sich also gelohnt.

Filmtipp: „Das Riesending“

Und gleich noch ein Tipp um die Höhlen-Sehnsucht in der Coronasituation zu befeuern: die Reportage „Das Riesending“ ist ab sofort (bis 21.04.2022) bei ARTE zu sehen. Letztes Jahr lief dieser unter dem Titel „Das Riesending – 20.000 Meter unter der Erde“ im Kino, seit Dezember ist er auf DVD erhältlich.

Auch dieser Film ist eine klare „Empfehlung der Redaktion“ 😉