Aktivurlaub Ardèche

Auch dieses Pfingsten scheuten einige FUNDler die lange Fahrzeit von bis zu 11 Stunden netto nicht, um die Ferien mit Familie und Höhlenfreunden in der wunschönen Ardèche-Region in Südfrankreich zu verbringen. Bei teilweise 36° Außentemperatur waren die Höhlen ein willkommener Rückzugsort, aber auch der Fluß Chassezac bot mit einem irren Karst- und Rutschen-Abschnitt einen grandiosen Spaß.

Während wir in den alpinen Höhlen im kuscheligen Fleece-Unterschlaz den unverfälschten Dachsteinkalk bewundern und uns wie kleine Kinder über jeden einzelnen Tropfstein freuen, fällt einem das in Frankreich doch deutlich schwerer. Mit T-Shirt im Schlaz (weil sonst zu heiß) spürt man jedes kleine Steinchen, und jeder Quadratzentimeter Höhle ist mit Sinter überzogen, so dass man spätestens nach der zweiten Höhle völlig abgestumpft ist. Excentriques, Disques, Sinterbecken – kennen wir alles. Da muss also was Neues her.

So ergab es sich, dass wir auf den Namen einer Höhle aufmerksam gemacht wurden („schaut euch die unbedingt mal an“). Eine kurze Internet-Recherche ergab: Name bekannt, Lage wird aber geheim gehalten – weil: unberührtes Aragonit! Eine andere Form des üblichen Sinters, sogar aus den selben Zutaten – aber völlig anders kristallisiert. Nach Kontaktaufnahme mit dem Betreuer der Höhle war klar: 1,5 Std Autofahrt vom Zeltplatz. Wollen wir das? Naja, wird sich hoffentlich lohnen.
Vor Ort dann eine kleine Überraschung – aufgrund einer Terminverwechslung trafen wir auf einen anderen Höhlenverein aus Deutschland, und haben mit denen zusammen in zwei spontan gemischten Gruppen die Höhle bestaunen dürfen. Der Guide hat uns fast sechs Stunden lang begleitet (ehrenamtlich!) und die von ihm mitentdeckte Höhle gezeigt. Als bei den ersten Aragonitbüscheln (ausnahmslos) alle ihre Handys gezückt und wie wild losfotografiert haben, fragte er nur was das soll, die schönen Teile kommen doch erst noch. Und er sollte Recht behalten.
Einen Abschnitt durften wir nur jeweils zu zweit unter persönlicher Aufsicht des Guides betreten – und zwar ohne Schlaz und nur auf Socken. Man bewegt sich durch kristallisierte Sinterbecken (und nimmt alle Schmerzen gerne in Kauf), und bewundert bis zu einem Meter hohe Kristallbüschel, denen die Ideen der Schwerkraft herzlich egal sind. Ein anderer Abschnitt nennt sich schlicht „Klein-Lechuguilla“, und ohne das Original zu kennen denke ich, dass der Titel nicht übertrieben ist. Bleibt nur zu hoffen, dass die strengen Schutzmaßnahmen weiterhin für einen guten Zustand sorgen. Besuchen darf die Höhle übrigens jeder Höhlenforscher, der sich an die Spielregeln hält und terminlich flexibel ist (schließlich begleitet der Guide jede Gruppe persönlich).
An dieser Stelle nochmals riesigen Dank an Laurent, und liebe Grüße an die Excentriques aus Heidelberg – das war eine tolle Tour und ein super Kontakt mit euch! 🙂

Ein weiteres Highlight war die Durchquerung der Aven Despeysse und der Grotte de Saint-Marcel. Ein „Klassiker“ in der Region, was man an einigen Marmor-ähnlich glattpolierten Abschnitten bemerkt… Die Tour führt erst 108m in die Tiefe, dann endlos auf und ab durch einen zähen Mäander, bis man schließlich in den großen Tunneln der Saint-Marcel ankommt. Dieser „Mittelteil“ war dann auch der schönste Abschnitt: große Röhren, feinster Kiesel, fantastische Muschel-Bänke, riesige Tropfsteine, Excentriques und auch mit Wasser gefüllte Sinterbecken lassen die etwas über einstündige Wanderung wie im Flug vergehen. Blöd nur, wenn man mit Wanderstiefeln eines der Sinterbecken durchqueren muss und anschließend vier Stunden in nassen Schuhe herumwatschelt…
Aber alles Schöne hat ein Ende: plötzlich weist ein grüner Pfeil jäh vom bequemen Tunnel in eine winzige (fränkische) Spalte am Wandboden – und ab dort geht man 1,5 Stunden (!) nur noch gebückt, auf allen Vieren oder gar nur schlufend. Stehen wird zur absoluten Ausnahme, und auch die Luftqualität wird immer schlechter (>2,5% CO2). Die erlösende Klappe in den Schauhöhlen-Teil kommt so unvermittelt wie der Einstieg in diese „untere Galerie“, und nach einer obligatorischen Schuh-Wäsche verlässt man über den Touristen-Teil die Höhle.

Mit den Kindern, welche zwei Wochen zuvor extra die SRT-Technik trainiert haben, besuchten wir noch die Grotte du Chasserou und die Grotte Estevan. Letztere bietet hinter einem gewöhnungsbedürftigem Schluf auch noch einen wunderschönen Abschnitt, der wiederum auch eine Verbindung in die benachbarte Grotte Barbette bietet. Diese Verbindung haben zwei FUNDler bei der Gelegenheit auch endlich begangen, nachdem über mehrere Jahre keine weiteren Mitstreiter zu finden waren. Demnach erwartet einen dort ein über 20 Meter langer, sehr enger Schluf (mit Helm abnehmen, und Handy aus Brusttasche weil sonst zu eng…).
Eine Familientour (ohne SRT) führte erneut in die vorderen Teile der Grotte de la Cotepatière. Die benachbarte Event de Peyrejal wollten wir eigentlich auch besuchen, allerdings hieß es dass derzeit schon früh ein Siphon den Weg in die interessanten Teile versperrt.

Die vor ein paar Jahren besuchte Aven A. mussten wir auch nochmal aufsuchen, da ein paar Mitglieder diese bislang nur von Fotos kannten und den schieren Excentrique-Exzess persönlich erleben wollten. Dort entdeckten ein paar Leute eine bislang übersehene Fortsetzung, welche mal wieder aufgrund fehlenden Seiles nicht begangen werden konnte – da müssen wir wohl nochmal hin.

Teilnehmer: Bernd, Luzyan, Michael, Dirk, Sebastian, Klaus – und jeweils Familien und Freunde, so dass wir alleine auf 21 Kinder (!) kamen. 😎

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